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Es werden Posts vom Juni, 2018 angezeigt.

Ehrfurcht oder Das Erleben des Unermesslichen

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Wenn wir mit offenen Sinnen und offenem Geist durch die Welt und das Leben gehen, dann können wir über so manche Dinge, denen wir begegnen, ins Staunen kommen. Und manchmal werden wir auch ganz still vor Ehrfurcht.
Ehrfurcht ist das Gefühl, sich in der Gegenwart von etwas Unermesslichem zu befinden. Dies können Dinge und Ereignisse in der Natur, der Kunst und Kultur aber auch besondere Menschen sein, Dinge, die das individuelle Verstehen der Welt in dem Moment übersteigen.
Dacher Keltner, Professor für Psychologie an der University of California, hat in wissenschaftlichen Studien die Effekte und die Bedeutung von Ehrfurcht für den Menschen und die menschliche Gemeinschaft untersucht.
Keltner zeigt mehrere positive Auswirkungen der Ehrfurcht auf:
In der Gegenwart von großen Dingen zu sein, ruft ein bescheideneres, weniger narzisstisches Selbst hervor, das eine größere Freundlichkeit gegenüber anderen ermöglicht. Ehrfurcht bettet das individuelle Ich in eine soziale Identität ein. Konkret h…

Sei doch mal ein bisschen empathisch!

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Empathie ist etwas, zu dem in sozialen Prozessen gerne aufgefordert wird, häufig verbunden mit dem Vorwurf, dass es daran fehlt. Aber was bedeutet es denn empathisch zu sein? Mit wem kann ich empathisch sein? Und wie kann ich Empathie entwickeln?
Empathie für den Anderen
Empathisch mit dem Anderen zu sein, bedeutet, dem Mitmenschen achtsam und mitfühlend zu begegnen, insbesondere dann, wenn es ihm nicht gut geht. Man spricht hier von affektiver Empathie: Ich erkenne, wie es dem anderen Menschen geht. Ich gebe dem Raum und erkenne an, dass es dem Anderen tatsächlich so geht. Ich fühle mit, wenn er leidet, Angst hat oder traurig ist, wenn er gestresst oder überfordert ist, jedoch ohne mir das Gefühl des Anderen zu eigen zu machen. Ich kann auch empathisch darauf reagieren, wenn der Andere sich freut oder wenn er sich gut fühlt, auch wenn dies in der Regel weniger notwendig erscheint und weniger eingefordert wird.
Mit Empathie ist darüber hinaus auch die Fähigkeit und Bereitschaft gemeint, …

Gehorsam - Einwilligung - Verantwortung

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Wollen Sie wirklich ein gehorsames Kind?
Irgendwie hat ja die Vorstellung vom gehorsamen Kind etwas Verlockendes; das Kind hört, was ich sage, und befolgt dies: „Putz dir jetzt die Zähne und geh ins Bett.“ Und das Kind putzt sich die Zähne und geht ins Bett.„Bringe bitte den Müll raus zur Mülltonne.“ Und das Kind bringt den Müll raus.„Mache deine Hausaufgaben, bevor du draußen spielen gehst.“ Und das Kind macht zuerst seine Hausaufgaben.„Sei bitte zum Abendessen pünktlich wieder zurück aus dem Freibad.“ Und das Kind setzt sich pünktlich an den gedeckten Küchentisch.„Zank dich nicht immer mit deiner kleinen Schwester.“ Und die Kinder spielen freundlich miteinander.„Pass in der Schule besser auf.“ Und das Kind passt besser auf.Das klingt irgendwie gut, oder? Ein gehorsames Kind scheint das Familienleben doch sehr viel einfacher zu machen. Ich sage etwas und schon passiert das auch. Wunderbar! Nur - vielleicht leider, vielleicht Gott sei Dank - ist das nicht immer so. Und dennoch gibt es s…

Das Beste, was mir einfällt

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Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, warum Sie irgendetwas machen? Sie tun es, weil es das Beste ist, was Ihnen gerade einfällt. Würde Ihnen etwas Besseres einfallen, würden Sie das tun, oder?
Jetzt sagen Sie vielleicht: Bei diesem schönen Wetter fällt mir schon ein, wie viel besser es wäre, an den Badesee zu fahren und mir einen schönen Tag zu machen, anstatt zur Arbeit ins Büro oder in die Fabrik zu gehen. Trotzdem gehe ich zur Arbeit. Genau!
Und warum tun Sie das? Weil das die tatsächlich bessere Idee, oder die im Moment beste Idee für Sie ist: Es vermeidet anstrengende Gespräche mit Ihrem Chef, erhält Ihnen den Arbeitsplatz, sichert Ihnen Ihr Einkommen, gibt Ihnen das gute Gefühl, zuverlässig und diszipliniert zu sein. Oder?
Vielleicht haben Sie sich schon einmal im Nachhinein dabei ertappt, dass Sie Ihrem Kind eine unsinnige Strafe aufgebrummt haben. Das war dann doch nicht das Beste, was mir einfällt?! - Es war das Beste, was Ihnen in dieser Situation in Ihrem Ärger und auf die …

Gute Gespräche in schweren Zeiten

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Es kommt vor, dass Gespräche in einer Partnerschaft zeitweise oder auch langanhaltend kaum mehr möglich sind, weil beide Partner zerstritten miteinander sind, nicht wirklich hören können, was der andere sagt und sich selber überhaupt nicht verstanden fühlen. Dann werden Gespräch zu einem Kampf: laut, destruktiv, zerstörerisch. Es hagelt Vorwürfe, Anschuldigungen und Verdächtigungen; der Ton ist rau und verletzend. Beide fallen sich gegenseitig ins Wort, reden durcheinander oder gar nicht mehr (siehe Letzte Möglichkeit: Verhaltensstarre). Der wahrscheinlich beidseitige Versuch, als Sieger vom Platz zu gehen, scheitert; Verlierer sind beide. Denn mit jedem solcher Gespräche vergrößert sich der Graben zwischen den Partnern.
Was kann man in so einer Situation machen? Wie kann man in Kontakt bleiben und Dinge, die besprochen werden müssen, mit einander besprechen? Man möchte oder kann sich ja nicht grundsätzlich aus dem Wege gehen. Es gibt zu viel, was einen verbindet und so manches an Geme…

Ich könnte ihn in der Luft zerreißen!

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Wut ist eine energiegeladene Emotion, die zerstörerisch sein kann, wenn sie unkontrolliert ins Handeln kommt, wenn sie zur blinden Wut wird. Wieso ist das so? Und warum ist es so schwer, die Wut zu kontrollieren. Kann man sie am Entstehen hindern?
Wut wird zu der Gruppe der Basisemotion gerechnet. Sie kommt nicht nur bei Menschen vor, sondern auch bei anderen Säugetieren. Wut ist eine Reaktion auf Umstände, die für das Individuum aus ganz verschiedenen Gründen bedrohlich oder auch lebensgefährlich erscheinen. Wut ist keine bewusste Entscheidung, sondern eine Reaktion unseres Nervensystems. Niemand entscheidet: „Ich bin jetzt mal wütend!“ Die Wut ist schon da, bevor wir uns dessen bewusst sind, und sie ist mit großer Energie und Wucht da. Weil Wut als eine Reaktion auf die Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit entstanden ist, muss sie sehr schnell agieren, denn wer zu langsam ist, hat das Nachsehen, unterliegt im Kampf oder kommt zu Tode. Damit hat die Wut eine wichtige Funktion. Si…