25. September 2022

Fünf-Finger-Atmen


Eine kleine Übung zur Beruhigung des Nervensystems


Wenn Kinder unruhig, aufgeregt oder aufgewühlt sind, dann ist es die Aufgabe der Erwachsenen, sie dabei zu unterstützen, wieder ruhig zu werden. Denn erst wenn das Nervensystem in einem ruhigen Modus ist, können Dinge, so wie sie wirklich sind, gesehen und geklärt werden.

Ein sehr effektiver Weg zur Beruhigung des Nervensystems führt über das achtsame Atmen. Dabei atmen wir ruhig und ohne Anstrengung ein, machen eine kleine Pause und atmen sehr langsam, langsamer als wir eingeatmet haben, wieder aus. Wir achten dabei auf nichts anderes als unser Atmen.

Beim Fünf-Finger-Atmen laden Sie Ihr Kind ein, dies fünf Mal hinter einander mit Ihnen gemeinsam zu tun, und nutzen dabei zur Unterstützung die fünf Finger einer Hand:
Mit dem Zeigerfinger der anderen Hand streichen Sie an Daumen und Fingern der Hand entlang und animieren Ihr Kind dazu, dies ebenfalls zu tun. An den Fingerkuppen pausieren Sie mit dem Atmen für einen Moment. Wenn Sie möchten, können Sie die (Atem)Bewegungen die ersten Male mit den Wörtern „ein“ und „aus“ leise begleiten. Achten Sie darauf, das die Bewegung an den Fingern entlang zwischen Ihnen und Ihrem Kind synchron verlaufen. 
Am Ende können Sie kurz nachfragen, wie das Kind sich nun fühlt, ob es sich ruhig fühlt. Und es spricht nichts dagegen, diese Übung sofort noch einmal zu wiederholen.

Natürlich können Sie diese Übung auch in Situationen nutzen, in denen Sie selber ihr eigenes Nervensystem beruhigen möchten.

Probieren Sie es aus!

19. September 2022

Meins!


Kennen Sie das? Ein anderes Kind ist bei Ihnen zu Besuch und Ihr Kind möchte nicht, dass das andere Kind mit seinen Spielsachen spielt. 


„Nein, damit darfst du nicht spielen. Nimm die Finger davon!“


Und nun?


Jeder Mensch hat das Recht, seine (!) Sachen nicht mit anderen Menschen zu teilen. Jeder Mensch kann seine Sachen für sich zu behalten und anderen die Verwendung seiner Dinge untersagen. Das gilt auch für Kinder. Auch Kinder müssen ihre (!) Spielsachen nicht mit anderen Kindern teilen - selbst wenn Erwachsene das schön fänden.


Eine andere Situation ist es natürlich, wenn Spielsachen allen Kindern oder mehreren Mitgliedern der Familie gehören. Dann können, falls das notwendig wird, gemeinsam Regeln vereinbart werden, wie diese gemeinschaftlich genutzt werden.


Doch die Legos, die ein Kind zum Geburtstag geschenkt bekommen hat, sind seine Legos. Wer damit spielen darf, ist seine Entscheidung. Sagt das Kind nein, dann ist das nun einmal seine Entscheidung - die wir Erwachsenen vielleicht nicht so schön finden, aber akzeptieren sollten.


Das andere Kind, das zu Besuch ist, wird vielleicht traurig sein, wenn es mit den Legosteinen nicht spielen darf. Und da Traurigkeit sich in Ärger verwandeln und aus Ärger, wenn man nicht aufpasst, schnell ein heftiger Streit entstehen kann, sollten Sie beide Kinder dabei unterstützen, herauszufinden, was in der Situation alternativ möglich ist.


Wenn es immer wieder dazu kommt, dass Ihr Kind seine Spielsachen nicht teilen möchte, sprechen Sie am besten im Vorhinein mit Ihrem Kind darüber, wie es ist, wenn ein anderes Kind zu Besuch kommt. Nicht unwichtig ist dabei, wer das andere Kind wozu eingeladen hat. Wenn das eigene Kind sich den Besuch des anderen Kindes gewünscht hat, um mit ihm zu spielen, ist das nämlich eine andere Situation, als wenn wir Erwachsenen das Kind eingeladen haben, um einer Freundin einen Gefallen zu tun. 


Wenn Sie möchten, dass Ihr Kind mit einem anderen Kind Zeit verbringt und spielt, dann sollten Sie Ihr Kind fragen, ob es damit einverstanden ist. Dies ist um so wichtiger, wenn Sie beobachtet haben, dass Ihr Kind in diesem Punkt eigen ist. Und wenn Ihr Kind sagt, dass es keinen Besuch oder dieses bestimmte Kind nicht zu Besuch haben möchte und lieber oder auf jeden Fall alleine spielen will, dann können Sie eben nicht einfach ein Kind für Ihr Kind zum Spielen einladen. Sie können aber, wenn Sie das möchte und die häusliche Situation dies erlaubt, das Kind einladen und selbst eine schöne Zeit mit ihm verbringen - und dabei schauen, inwieweit es Ihnen vielleicht gelingt, Ihr Kind dabei einzubinden.


Wenn hingegen Ihr Kind ein anderes Kind zu Besuch einladen möchte und Sie wissen, dass es beim Teilen von Spielsachen eigen ist, dann sollten Sie mit ihm vorher klären, welche Spiele oder Spielsachen unter welchen Bedingungen geteilt werden können und welche nicht. Wenn nichts geteilt werden kann, dann kann das andere Kind als Konsequenz vielleicht nicht kommen. Das sollte in aller Ruhe vorab geklärt werden.


In einem solchen Gespräch sollten Sie über die Bedürfnisse, Interessen, Wünsche und Gefühle aller Beteiligten sprechen:

  • Was will ich? Was willst du? Und was denkst du, was das andere Kind vielleicht möchte?
  • Was wünsche ich mir? Was wünschst du dir?
  • Wie ist das für dich, wenn das andere Kind kommt? Und was glaubst du, wie sich das andere Kind fühlt?
  • Was denkt der Andere wohl über dich, wenn du dich so verhältst?


Das freie Nachdenken ohne moralischen Zeigefinger über Bedürfnisse und Gefühle bei sich selbst und anderen bildet die Grundlage für die Entwicklung von Empathie und Mitgefühl mit sich selbst und anderen.


Teilen geht gut, wenn ich das Gefühl habe, auch wenn ich etwas abgebe, noch genug für mich zu haben. Was dabei als genug erlebt wird, ist relativ und abhängig von den individuell gemachten Lebenserfahrungen:

  • Welche Rolle spielt das Teilen im Familienleben?
  • Welche Bedeutung hat Besitztum in der Familie?
  • Wo kann mein Kind erleben, dass ich selbst etwas teile?
  • Wo kann es erfahren, dass Teilen mich glücklich macht.
  • Wie ernst wird es möglicherweise mit seiner Sorge genommen, dass beim Teilen zu wenig übrig bleibt?
  • Welche Erfahrung habe ich damit gemacht, dass jemand etwas mit mir teilt?
  • Wie hat sich das angefühlt?


Die Bereitschaft zum Teilen braucht die gefühlte Sicherheit, das ich mehr als genug habe, und das Mitgefühl für die tatsächliche Bedürftigkeit des anderen. Als Eltern können wir uns daran machen, ein Gefühl von Sicherheit und Mitgefühl in unseren Kindern auch hinsichtlich des Teilens wachsen zu lassen. Und so lange dies nicht ausreichend gegeben ist, fehlt die Bereitschaft, von Herzen zu teilen - bei uns und unseren Kindern.

11. September 2022

Emotionen im Familienleben


Das Zusammenleben von Familien ist häufig mit vielen angenehmen aber auch unangenehmen Emotionen und Gefühlen verbunden. Es gibt nicht nur Harmonie und Freude, sondern auch Streit, Kampf, Zerwürfnis und Verzweiflung, Wut und Traurigkeit.

Warum diese Gefühle immer wieder auftauchen und wie wir mit ihnen besser umgehen können, habe ich in dem Kinder- und Familienroman "Bjarne und der Minister für Sicherheit" auf spannende Weise und auf der Grundlage der Polyvagal-Theorie erzählt.

Wie bedeutsam und hilfreich die Polyvagal-Theorie für das Familienleben und für die Familienberatung ist, habe ich im Mai diesen Jahres in einem Vortrag bei einer familylab-Veranstaltung in Berlin deutlich gemacht.


Darin erläutere ich,
- welchen Einfluss das Nervensystem eines jeden von uns auf das qualitative Zusammenleben in Familien hat;
- warum es gut ist, darüber Bescheid zu wissen, und
- was wir nicht nur für uns selbst, sondern auch für unsere Kinder tun können, damit wir in Verbundenheit glücklich sein können.

Ein wichtiges Tool dafür ist das B3-Verfahren, auf das ich am Ende des Vortrags ausführlich eingehe.

Fünf-Finger-Atmen

Eine kleine Übung zur Beruhigung des Nervensystems Wenn Kinder unruhig, aufgeregt oder aufgewühlt sind, dann ist es die Aufgabe der Erwachse...