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Warum immer wieder diese Wut?

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Wut ist eine wichtige Emotion, die immer dann auftaucht, wenn irgendetwas z.B. für ein Kind richtig gefährlich oder bedrohlich erscheint. Dabei ist es egal, ob dann Erwachsene denken: „Aber da ist doch gar nichts.“
Wut mobilisiert alle zur Verfügung stehende Kraft und Energie, um die persönliche Unversehrtheit zu schützen oder zu verteidigen. Dabei neigt die Wut dazu, unverhältnismäßig zu sein; Wut wägt nicht ab; losgelassene Wut ist blind.
Die Einschätzung, ob etwas gefährlich ist oder nicht, ist keine vernünftige Entscheidung, sondern eine blitzschnelle emotionale Reaktion unseres autonomen Nervensystems. Dabei werden alle bisher gemachten und als bedrohlich empfundenen Lebenserfahrungen unbewusst mitberücksichtigen: Wann und wie oft bin ich schon in beängstigender Weise zu kurz gekommen? Wo musste ich kämpfen oder mich widersetzen? Wie gut konnte ich mich mit meiner Wut verteidigen? Wie erfolgreich fühlt sich diese Energie der Wut an?
Je öfter das Kind sich mit seiner Wut erfolgreic…

Kinder mit starkem Willen

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Insbesondere Kinder mit einem starken Willen brauchen vor allen Dingen eins: starke Erwachsene. Sie brauchen Eltern, die mit Neugier, Freude und Freundlichkeit, mit Klarheit und Ruhe sowie mit Entschlossenheit und Beharrlichkeit immer wieder den Weg suchen, auf dem die Bedürfnisse, Interessen, Ziele und Werte ihrer Kinder und ihre eigenen Bedürfnisse, Interessen, Ziele und Werte in eine Balance kommen. Diesen Weg zu finden, ist keine einfache Aufgabe, die einmal erledigt ist, sondern die sich fortwährend neu stellt, ständig verändert und immer eine Aufgabe bleibt. Denn wenn in einer Beziehung der Mensch - egal ob Kind oder Erwachsener - hinsichtlich seiner Bedürfnisse, Interessen, Ziele und Werte immer wieder zu kurz kommt, erwachen Ärger, Wut, Kummer, Verzweiflung oder Resignation. Diese emotionalen Zustände, die natürlich nicht auf entspannte soziale Interaktion abzielen, sondern auf die Verteidigung der eigenen körperlichen Unversehrtheit („Bleib mir bloß vom Leib!“) und psychischen …

Der Polyvagal-Kreis

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Mit diesem Text und dem dazugehörigen Video (https://www.youtube.com/watch?v=2hc9PPN7L2c) möchte ich anhand des Polyvagal-Kreises erklären, wie unser Autonomes Nervensystem versucht, unser Überleben zu sichern, welche Rolle dabei das Erleben von Sicherheit und Verbundenheit spielt und wie es dazu kommen kann, dass wir traumatisiert werden. Dies alles werde ich auf der Grundlage der Polyvagal-Theorie von Dr. Stephen Porges erklären.
Das Autonome Nervensystem ist Teil des umfassenden und vielschichtigen Nervensystems des Menschen, das den ganzen Körper durchzieht.
Vereinfacht betrachtet besteht das Nervensystem zunächst einmal aus dem Gehirn. Zusammen mit dem Rückenmark bildet es das Zentrale Nervensystem. Aufgabe des Zentralen Nervensystems ist es, das Zusammenspiel aller Bereiche und Systeme im menschlichen Körper zu regulieren und in eine ausgewogene Balance zu bringen.
Darüber hinaus gehören zum Nervensystem auch all die Nervenbahnen, die sich durch den gesamten Körper ziehen.
Dazu zähl…

Wie gut kann mein Kind sozial interagieren?

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Wir Menschen haben die angeborene Fähigkeit, mit anderen Menschen sozial zu interagieren. Ohne diese Fähigkeit und auf uns allein gestellt wären wir nicht wirklich überlebensfähig. Mittels sozialer Interaktion erhalten wir sowohl materielle als auch emotionale Nahrung, Unterstützung und Zuwendung, die wir für unser Wachstum, unsere Entwicklung, unser Lernen und unsere körperliche und geistige Gesundheit brauchen. Gelingende soziale Interaktion ist daher absolut überlebensnotwendig für uns Menschen. Dies gilt insbesondere auch für unsere Kinder.
Die Fähigkeit zur sozialen Interaktion basiert auf grundsätzlich möglichen Einstellungen unseres Körpers: Unser Gesichtsausdruck, unsere Kopfhaltung, die Bewegung unserer Arme und Hände sowie der Ausdruck unserer Stimme können freundlich, zugewandt und einladend sein, unser Mittelohr kann auf das Wahrnehmen der menschlichen Stimme ausgerichtet sein und unser Handeln kann sich in spiegelnder Weise auf das soziale Handeln des Anderen beziehen. Gek…

Gesunde Aggression

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„Sei doch nicht so aggressiv!“, wird mir vorgehalten -„Ich bin doch gar nicht aggressiv!“, erwidere ich. Und die aggressive Atmosphäre im Raum ist tatsächlich spürbar.
Aggression hat bei vielen Menschen einen schlechten Ruf. Aggression soll nicht sein - weder will ich sie mir vorhalten lassen, noch will ich tatsächlich so sein. Oder doch?
Stellen Sie sich eine Situation vor, in der Sie von einem anderen Menschen verbal, körperlich, sozial, räumlich, emotional oder auch politisch bedrängt werden: Ihre Mutter redet ohne Punkt und Komma auf Sie ein oder ein Nachbar verwendet beleidigende und verletzende Worte Ihnen gegenüber.Der Mann im Bus steht unnötig dicht bei Ihnen oder ihr Gesprächspartner berührt Sie wiederholt in einer für Sie unangenehmen Weise.Eine Bekannte möchte ständig mit Ihnen etwas unternehmen oder Ihr Kind fordert Sie zu einem für Sie nicht passenden Zeitpunkt mit Nachdruck wiederholt zum gemeinsamen Spielen auf.Ihr Lebenspartner verstellt Ihnen den Weg aus der Küche, weil …

Sicherheit und soziale Interaktion

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Vielleicht gibt es nichts Schöneres, als Momente, in denen wir mit anderen Menschen freundlich, offen, entspannt und doch angeregt in Kontakt sind, einander gegenseitig sehen und ernst nehmen und persönlich wachsen können. Doch je nachdem sind diese Momente rar.
Warum ist das so? Warum sind Menschen in Begegnungen mit Mitmenschen, egal ob in der Familie, am Arbeitsplatz oder im öffentlichen Raum, zuweilen unfreundlich, abweisend, unzugänglich oder aggressiv? Wieso spielen Kinder im Kindergarten, auf dem Spielplatz oder mit den eigenen Geschwistern zu Hause manchmal nicht „einfach nur schön“ miteinander, sondern schubsen, schreien und schlagen? Warum fangen Menschen in Alltagssituationen an, sich gegenseitig mit Worten oder Taten anzugreifen und zu verletzen? Wie kommt es, dass in Diskussionen keiner mehr dem anderen zuhört? Warum hagelt es in manchen Gesprächen nur noch Vorwürfe, Kritik, Drohungen und Anschuldigungen? Warum vermeiden einige Menschen nach Möglichkeit jede Begegnung mit andere…

Wie geht man mit schwierigen Menschen um - ohne selbst einer zu sein

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Die Frage, wie wir mit schwierigen Menschen umgehen können , wird in der Mai-Ausgabe der buddhistischen Zeitschrift Lion’s Roar thematisiert. Norman Fischer hat dafür einen wunderbaren Beitrag mit dem Titel „Ego Is the Real Culprit“ (Das Ich ist der Übertäter) geschrieben, den ich hier ein wenig gekürzt und ins Deutsche übertragen wiedergeben möchte. Den buddhistischen Rahmen, indem der Aufsatz im Original steht, habe ich weggelassen, ohne dass sich dadurch die Aussage und die Kraft der Aussage im Kern ändert:
Das „Selbst“ ist ein Grundproblem der menschlichen Existenz. Wir sind uns unseres „Selbst“ völlig sicher. Ich bin ich - klar. Wer sollte ich sonst sein? Aber was ist dieses „Selbst“? Wer bin ich?
Wenn ich ich bin und nicht Sie oder ein anderer, dann steckt darin immer auch eine Verwundbarkeit. Denn mein „Ich“ muss sich, um selbst sein zu können, gegen einen Anderen abgrenzen und behaupten, der sich entsprechend gegen mich behauptet. So nimmt das „Selbst“ ganz natürlich eine aggres…