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Wie gut kann mein Kind sozial interagieren?

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Wir Menschen haben die angeborene Fähigkeit, mit anderen Menschen sozial zu interagieren. Ohne diese Fähigkeit und auf uns allein gestellt wären wir nicht wirklich überlebensfähig. Mittels sozialer Interaktion erhalten wir sowohl materielle als auch emotionale Nahrung, Unterstützung und Zuwendung, die wir für unser Wachstum, unsere Entwicklung, unser Lernen und unsere körperliche und geistige Gesundheit brauchen. Gelingende soziale Interaktion ist daher absolut überlebensnotwendig für uns Menschen. Dies gilt insbesondere auch für unsere Kinder.
Die Fähigkeit zur sozialen Interaktion basiert auf grundsätzlich möglichen Einstellungen unseres Körpers: Unser Gesichtsausdruck, unsere Kopfhaltung, die Bewegung unserer Arme und Hände sowie der Ausdruck unserer Stimme können freundlich, zugewandt und einladend sein, unser Mittelohr kann auf das Wahrnehmen der menschlichen Stimme ausgerichtet sein und unser Handeln kann sich in spiegelnder Weise auf das soziale Handeln des Anderen beziehen. Gek…

Gesunde Aggression

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„Sei doch nicht so aggressiv!“, wird mir vorgehalten -„Ich bin doch gar nicht aggressiv!“, erwidere ich. Und die aggressive Atmosphäre im Raum ist tatsächlich spürbar.
Aggression hat bei vielen Menschen einen schlechten Ruf. Aggression soll nicht sein - weder will ich sie mir vorhalten lassen, noch will ich tatsächlich so sein. Oder doch?
Stellen Sie sich eine Situation vor, in der Sie von einem anderen Menschen verbal, körperlich, sozial, räumlich, emotional oder auch politisch bedrängt werden: Ihre Mutter redet ohne Punkt und Komma auf Sie ein oder ein Nachbar verwendet beleidigende und verletzende Worte Ihnen gegenüber.Der Mann im Bus steht unnötig dicht bei Ihnen oder ihr Gesprächspartner berührt Sie wiederholt in einer für Sie unangenehmen Weise.Eine Bekannte möchte ständig mit Ihnen etwas unternehmen oder Ihr Kind fordert Sie zu einem für Sie nicht passenden Zeitpunkt mit Nachdruck wiederholt zum gemeinsamen Spielen auf.Ihr Lebenspartner verstellt Ihnen den Weg aus der Küche, weil …

Sicherheit und soziale Interaktion

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Vielleicht gibt es nichts Schöneres, als Momente, in denen wir mit anderen Menschen freundlich, offen, entspannt und doch angeregt in Kontakt sind, einander gegenseitig sehen und ernst nehmen und persönlich wachsen können. Doch je nachdem sind diese Momente rar.
Warum ist das so? Warum sind Menschen in Begegnungen mit Mitmenschen, egal ob in der Familie, am Arbeitsplatz oder im öffentlichen Raum, zuweilen unfreundlich, abweisend, unzugänglich oder aggressiv? Wieso spielen Kinder im Kindergarten, auf dem Spielplatz oder mit den eigenen Geschwistern zu Hause manchmal nicht „einfach nur schön“ miteinander, sondern schubsen, schreien und schlagen? Warum fangen Menschen in Alltagssituationen an, sich gegenseitig mit Worten oder Taten anzugreifen und zu verletzen? Wie kommt es, dass in Diskussionen keiner mehr dem anderen zuhört? Warum hagelt es in manchen Gesprächen nur noch Vorwürfe, Kritik, Drohungen und Anschuldigungen? Warum vermeiden einige Menschen nach Möglichkeit jede Begegnung mit andere…

Wie geht man mit schwierigen Menschen um - ohne selbst einer zu sein

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Die Frage, wie wir mit schwierigen Menschen umgehen können , wird in der Mai-Ausgabe der buddhistischen Zeitschrift Lion’s Roar thematisiert. Norman Fischer hat dafür einen wunderbaren Beitrag mit dem Titel „Ego Is the Real Culprit“ (Das Ich ist der Übertäter) geschrieben, den ich hier ein wenig gekürzt und ins Deutsche übertragen wiedergeben möchte. Den buddhistischen Rahmen, indem der Aufsatz im Original steht, habe ich weggelassen, ohne dass sich dadurch die Aussage und die Kraft der Aussage im Kern ändert:
Das „Selbst“ ist ein Grundproblem der menschlichen Existenz. Wir sind uns unseres „Selbst“ völlig sicher. Ich bin ich - klar. Wer sollte ich sonst sein? Aber was ist dieses „Selbst“? Wer bin ich?
Wenn ich ich bin und nicht Sie oder ein anderer, dann steckt darin immer auch eine Verwundbarkeit. Denn mein „Ich“ muss sich, um selbst sein zu können, gegen einen Anderen abgrenzen und behaupten, der sich entsprechend gegen mich behauptet. So nimmt das „Selbst“ ganz natürlich eine aggres…

Selbstregulation: Wieder zur Ruhe kommen

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Unser Leben, unsere Lebensenergie schwingt ständig zwischen Entspannung und Anspannung, Aufregung und Ruhe. Dafür verantwortlich sind das sympathische, aktivierende und das parasympathische, entspannende Nervensystem. Egal ob wir mit uns selber beschäftigt oder in Kontakt mit anderen Menschen oder unserer Umwelt sind - wir reagieren auf das, was passiert, entweder entspannt und ruhig oder aufgeregt, angespannt, ängstlich und wütend. Solange dieses ganz natürliche Hin und Her tatsächlich ein Schwingen ist, ist alles in bester Ordnung. Rhythmus ist unser Leben.
Viele Menschen leben jedoch in einem Zustand übermäßiger oder auch dauerhafter Anspannung, Unruhe und Angst.
Sie stehen vielfältigen Anforderungen gegenüber und erleben einen enormen Leistungsdruck, der sie frustriert, dauerhaft stresst und ihnen Angst macht. Sie sehen sich konfrontiert mit Vorwürfen und Anschuldigungen. Sie spüren, wie ihre Grenzen nicht respektiert, sondern verletzt werden. Sie sind in einem Zustand hoher Erregun…

Ich, Du und die Welt - Wie wahr ist unsere Wahrnehmung?

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Wir alle nehmen die Welt, den anderen und uns selbst durch die Filter unserer Wahrnehmung wahr. Sie erfolgt über unsere Sinnesorgane, wie zum Beispiel das Ohr, das wie alle Sinnesorgane physiologisch begrenzt ist. Wir können nur Töne und Geräusche in einem begrenzten Frequenzbereich hören, der im Alter auch noch im Hochtonbereich stark abnimmt, was dazu führt, dass Musik für uns dann nicht mehr so brillant klingt. Zum anderen ist die Wahrnehmung durch unsere Hörgewohnheit geprägt: Unterschiede bei Sprachlauten anderer Sprache hören wir gar nicht, weil wir in den ersten Jahren unseres Lebens nicht gelernt haben, auf diese Unterschiede zu achten. Und Wahrnehmung wird durch unseren psychischen Zustand verändert: Wenn wir uns bedroht fühlen, hören wir nicht, was der andere sagt, sondern vor allen Dingen wie er es sagt und werden vielleicht wütend.
Diese Wahrnehmungsfilter helfen uns zwar, die manchmal konfuse und unvorhersehbare Welt einfacher wahrzunehmen und geben uns Sicherheit. Anderseit…

Sicher und Gesund - Das Safe and Sound Protocol

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Sicherheit, die wirklich auch empfunden wird, ist für Säugetiere und Menschen eine wichtige Voraussetzung für Überleben, Entwicklung und Gesundheit. Das Empfinden, nicht wirklich sicher zu sein, führt zu Unwohlsein, Angst und Rückzug.
Säugetiere haben im Rahmen der Evolution die Möglichkeit entwickelt, Sicherheit oder Bedrohung und Gefahr in ihrer Umgebung und im Kontakt mit ihren Artgenossen blitzschnell zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Diese Reaktionen erfordern weder Bewusstheit noch eine bewusste Entscheidung. Das ist für das Überleben auch absolut notwendig, da bewusste Entscheidungen einfach zu langsam sind. Und wer bei lauernder Gefahr langsam ist, ist schnell zu langsam.
Da wir von den Säugetieren abstammen, haben auch wir in unserm Nervensystem diese Fähigkeit, blitzschnell die Qualität einer Situation zu erfassen (Stephen Porges hat für diese Form des Erfassen den Begriff der „Neurozeption“ geprägt) und entsprechend mit Hilfe des sympathischen und parasympathischen N…